Laser in der Zahnheilkunde

Der am besten besuchte Workshop des ganzen Kongresses widmete sich der "Laseranwendung für Neueinsteiger". Der gegenwärtige Forschungsstand und die Zukunft der Laserzahnheilkunde waren Gegenstand der äußerst lehrreichen Betrachtungen.

Das Spezialistenteam der Deutschen Gesellschaft für Zahnheilkunde (DGL), allen voran deren Präsident Prof. Dr. Norbert Gutknecht, bereiteten das Thema auch für Physik-Abstinente spannend und praxisrelevant auf. Prof. Gutknecht, der sich bereits vor 18 Jahren dem Laser zuwandte, musste damals immer wieder hören, dass Laser nichts bringe und in der Zahnmedizin sowieso keinen Sinn mache. Trotz dieser Unkenrufe ist er bei diesem Spezialgebiet geblieben - und mit ihm viele Mitstreiter wie der Generalsekretär der DGL, Prof. Dr. Matthias Frentzen. Er erinnerte das Auditorium daran, dass in den 80er Jahren, als der erste Laser für die Zahnmedizin auf den Markt kam, ziemlich unrealistische Erwartungen und Befürchtungen geweckt wurden.

In der Zahnmedizin hat sich der Laser in der Chirurgie und in der Zahntechnik etabliert, auch im Bereich der Kariestherapie, der Endodontie, der Parodontologie ist er bereits gut eingeführt. Neu hinzugekommen sind die antimikrobielle Therapie, die Analgesie und die Förderung der Wundheilung. Wie bei allen neuen technischen Errungenschaften muss allerdings in jedem Zusammenhang geklärt werden, inwieweit die klinische Anwendung wissenschaftlich abgesichert ist. Noch sind die Indikationen ständig im Wandel, doch seit 2006 gibt es, wie Professor Gutknecht am folgenden Tag in einem Vortrag darlegte, die evidenzbasierte Laserzahnheilkunde. Für die Lasertherapie oder die lasergestützte Behandlung in der Zahnmedizin wurde von internationalen Wissenschaftlern in Aachen ein "State of the Art der Laserbehandlung" definiert und publiziert.

Physikalische Grundlagen

"Der Laser ist etwas völlig anderes als der klassische Bohrer", betonte der Physiker Dr. Jörg Meister im Anfänger-Workshop. Er wies darauf hin, dass man, um effizient arbeiten zu können, die Grundlagen verstehen müsse. Die hohe spektrale Energie und die Leistungsdichte des Lasers, der ausschließlich gerichtetes, monochromes Licht mit großer zeitlicher und räumlicher Kohärenz liefert, macht eine auseinandersetzung mit physikalischen Phänomenen wie Absorption und Streuung nötig. Nur wenn man diese Faktoren versteht, kann man auch die Licht-Gewebe-Wechselwirkungen richtig einschätzen und auch die Sicherheitsvorschriften sinnvoll berücksichtigen.

Was ist ein Laser?

Eigentlich ein Energietransformator, bei dem minderwertige Energie eingesetzt wird, um hochwertige zu gewinnen. Daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass bei dem 100% künstlichen Licht, das nicht in der Natur vorkommt, nur ein Promille der eingesetzten Energie in Laserlicht umgewandelt werden kann, das dann allerdings sehr hochwertig ist. Schon Einstein hat 1917 das Phänomen der stimulierten Photonen-Emission beschrieben  und damit das Prinzip des Lasers, doch erst 1960 wurde es technisch umgesetzt. Um den richtigen Laser für die eigene Praxis zu finden, muss man sich fragen, was man mit dem Laser tun möchte. Erst dann kann die Entscheidung für einen Festkörper-, Gas-, Halbleiter-Dioden- oder Flüssigkeitslaser fallen. Vereinfacht gesagt, finden in der Zahnheilkunde Laser niedriger Leistungsdichte vor allem im Rahmen der Diagnostik und der antimikrobiellen photodynamischen Therapie Anwendung. Laser mit hoher Leistung dienen der Bearbeitung von Zahnhartgewebe und können zum Schneiden und Abtragen von Weichgeweben eingesetzt werden.
Wie Dr. Meister weiter ausführte, ist es wenig sinnvoll, einfach nach den vom Hersteller vorgegebenen Kriterien zu vereinfachen, ohne die physikalischen Gegebenheiten zu beachten. Mit den bis zu 100 voreingestellten Behandlungsmodi, die die Geräteindustrie vorgibt, stößt man beispielsweise bei einem Patienten mit anders pigmentierter Haut rasch an die Grenzen dieser Voreinstellung.

Nie ohne Schutz

Laser hat am Auge nichts verloren, auch Laserpointer, wie man sie von Vorträgen kennt, dürfen laut Dr. Meister nie ins Auge gerichtet werden. Laser, die im sichtbaren Licht und im nahen Infrarot arbeiten, gefährden das Auge. Wird ein solcher intensiver Lichtstrahl auf die Netzhaut gerichtet, wird das meiste Licht vom Melanin aufgenommen. Diese örtliche Aufheizung führt zu einer Verbrennung des Pigments sowie von Zäpfchen und Stäbchen, was zum Verlust des Sehvermögens, dauerhaft oder vorübergehend, führen kann. Daher der dringende Rat des Physikers: Laser nie ohne Augenschutz für Behandler, Helferin und Patienten betreiben

Versteckte Karies finden

Eindrucksvoll war in diesem Zusammenhang der Vortrag von Dr. Felix Krause, der eine spezielle Lasertechnik, die Laserfluoreszenz-Detektion vorstellte, die versteckte Karies im Zahnzwischenraum und auf Glattflächen sicher, schnell und einfach aufspüren kann. Sie nutzt die unterschiedliche Fluoreszenz gesunder und erkrankter Zahnsubstanz. Selbst Karies unter Fissurenversiegelungen wird zielsicher entdeckt, allerdings muss es sich dabei um Klarlack handeln, opaque Versiegelungen verzerren das Ergebnis. Ein weiteres interessantes Indikationsgebiet stellte PD Dr. Andreas Braun vor: den Softlaser für die Bahandlung von Parodontitis. Die photodybanuscge Lasertherapie, PDT oder PDL genannt, basiert auf der gezielten Aktivierung eines blauen Farbstoffes (Toloniumchlorid) durch Laserlicht, der dann als Photo-Sensitizers wirkt und zu einer signifikanten Reduktion der Bakterien (über 95 Prozent) in der Parodontaltasche führt. Auch die Demonstration des blutstillenden Effekts von Laserstrahlung, die gleichzeitig auch die Behandllungsoberfläche sterilisiert, war für Laser-Neulinge interessant. Nach Lasereingriffen im Weichgewebe ist der Heilungsverlauf meist komplikationslos, ohne Nachblutung. Schmerzfreiheit wird zum Beispiel bei der Behandlung von Aphten und Leukoplakien erzielt: es genügt, die schmerzenden Stellen wenige Sekunden mit dem Lichtstrahl des CO2-Lasers zu behandeln.

(Dorothea Kallenberg, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! , ZBW 11/2008)